Aufzucht von verwaisten Igelsäuglingen
Unterbringung:
Igelsäuglinge
brauchen ständig Wärme. Als Igelnest eignet sich ein kleiner Karton. Eine mit
handwarmem Wasser gefüllte Wärmflasche (kein Heizkissen, da Überhitzungsgefahr!)
wird mit einem Handtuch umwickelt. Darauf setzt man die Igelchen und deckt sie
mit einem weiteren Handtuch zu. Nach jeder Fütterung den Inhalt der Wärmflasche
wechseln!
Markieren und Wiegen:
Zur
Unterscheidung werden Igelbabys mit einem kleinen Tupfen Nagellack an jeweils
verschiedenen Stellen des Stachelkleides markiert. Jeder Igel wird – möglichst
mit einer Briefwaage – täglich zur gleichen Zeit gewogen und sein Gewicht auf
einer Liste notiert.
Ungeziefer:
Flöhe,
Zecken, Fliegeneier und –maden
sammelt man mit einer Pinzette sorgfältig ab. Auf keinen Fall dürfen
Insektizide angewendet oder die Babys gebadet werden.
Fütterung:
Schon zur
Fütterung kleinster Igel verwendet man 2-ml-Einmalspritzen (natürlich ohne
Nadel), auf deren Konus man ein kleines Stückchen Fahrradventilschlauch als
Ersatzzitze stülpt. Pipetten und Puppenmilchflaschen sind ungeeignet! Zur
Fütterung wird das Baby in die Hand gelegt und mit dem Daumen festgehalten.
Tritt es mit den Vorderfüßen gegen diesen, handelt es sich um den so genannten
Milchtritt, der normalerweise gegen das Gesäuge der
Igelmutter richtet und deren Milchfluss anregt.
Alle Menschenbaby-Nahrung, auch
Grießbrei, Reis-, Haferschleim oder ähnliches sowie Zugaben von Honig oder
Traubenzucker sind für Igelbabys absolut ungeeignet!
Zur
Aufzucht gut bewährt hat sich das Präparat Esbilac
(Tierarzt). Man rührt einen gestrichenen Teelöffel Esbilac mit zwei Teelöffeln ungesüßtem Fencheltee an und gibt
täglich etwas Futterkalk (Vita-Kalk
Marienfelde) zu. Wenn Esbilac
nicht vorrätig ist, kann man einen Tag lang einen gestrichenen Teelöffel
Magerquark und rohes Eigelb (nur ganz frisch) angerührt mit zwei Teelöffeln
Fencheltee verabreichten. Die Futtermenge sollte pro Tag, über 24 Stunden
verteilt, ca. 1/3 des Körpergewichts betragen. Die erste Mahlzeit, die man den
Igelsäuglingen verabreicht, sollte aus lauwarmem Fenchel- oder Kamillentee
bestehen. Dies nicht nur, weil verwaiste Igelbabys oft schon ausgetrocknet
sind, sondern weil sich bei der ersten Fütterung, wenn man nicht acht gibt, das
Baby leicht verschlucken kann. Gerät Ersatzmilch in die Lunge, ist fast immer
eine tödliche Lungenentzündung die Folge. Am ersten Tag nur sehr kleine
Portionen geben, damit die Babys sich von der Muttermilch auf die Ersatzmilch
umgewöhnen.
Bis sich
Augen und Ohren geöffnet haben, verabreicht man den Igelchen tagsüber 8 und
nachts 2 Mahlzeiten. Schrittweise wird die Anzahl der Mahlzeiten reduziert, die
jeweilige Nahrungsmenge erhöht. Säuglinge mit einem Gewicht von 100g erhalten
nur noch 5 Mahlzeiten. Die tägliche Gewichtszunahme: 4 - 6g/Tag (bis 90g KGW)
bzw. 9 – 11g/Tag (ab 90g KGW).
Toiletting:
Das
bedeutet das Gegenteil von Füttern! Igelbabys können noch nicht Kot und Urin alleine
abgeben. Die Igelmutter beleckt zu Anregung Bäuchlein und Geschlechtsteile. Vor
und/oder nach jeder Mahlzeit muss man mit einem angefeuchteten Finger oder
Wattestäbchen Bauch und Aftergegend massieren, bis sich der Erfolg einstellt.
Babykot besteht aus grünen aneinanderklebenden Kügelchen.
Wenn die
Milchzähne durchstoßen, bietet man den Igelsäuglingen zusätzlich die
Ersatzmilch im Deckel eines Einmachglases an. Nach und nach mischt man unter
die Milch immer mehr zerkleinertes Rührei, Rinderhack
und Katzendosenfutter, um sie an die Erwachsenennahrung zu gewöhnen.