Informationen
für erfahrene Igelbetreuer
Von H. Pentenrieder
Pflege des Stachelkleides:
Igel, die in menschlicher
Obhut überwintern, neigen sehr stark zu Schuppenbildung im Stachelkleid. Dies
entsteht hauptsächlich in den Wintermonaten, wenn geheizt wird und die dadurch
entstehende trockene Luft die Haut des Igels austrocknet. Setzen Sie den Igel
auf ein Handtuch, nehmen Sie eine weiche Drahtbürste mit Noppen an den Spitzen
(keine Kratzbürste) und bürsten Sie dem Igel die Schuppen aus dem Stachelkleid.
Die Haut kann danach wieder besser atmen. Ich konnte bis jetzt nicht
feststellen, dass es den Igeln unangenehm ist, denn man kann nicht ausschließen,
dass die Schuppen einen Juckreiz verursachen. Anschließend reiben Sie den Igel
mit einem feuchten Schwamm ab, um die Schuppenreste zu entfernen. Gute
Erfahrungen habe ich mit Neo-Ballistol-Öl
(Gewebefreundliches Desinfiziens von starker Tiefenwirkung, erhältlich in der
Apotheke) gemacht. Bei trockener Haut und Hautkrusten den Igel in ein
Neo-Ballistol-Bad (lauwarmes Wasser
vermischt mit einem Schuss Neo-Ballistol-Öl)
legen. Die Füßchen kann man mit dem Öl pur einmassieren.
Reinigen der Ohren:
Die Ohren der Igel sind
immer stark verschmutzt. Jede Pflege des Igels sollte man unter einer Lampe
durchführen, damit gute Sicht gewährleistet ist. Versuchen Sie mit der einen
Hand das Stachelkleid des Igels über dem Ohr in die Gegenrichtung zu drücken.
Das Stachelkleid ist sehr beweglich und lässt sich einfach in jede Richtung
schieben, ohne dass es dem Igel Schmerzen bereitet. Wenn das Ohr sichtbar wird,
nehmen Sie mit der anderen Hand ein in lauwarmes Wasser getränktes Wattestäbchen
und reinigen mit leichten Drehbewegungen die Ohrmuschel des Igels. Sie müssen
dies sehr vorsichtig und langsam durchführen, denn der Igel wird bei der
Berührung sich immer wieder einrollen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu tief
ins Ohr dringen und das Tier verletzen. Krustige Ohrläppchen und Krusten auf der
Nase werden einige Tage mit Surolan
beträufelt und mit einer Pinzette oder dem Fingernagel abgekratzt. Futterreste
auf der Nase nur mit einem Wattestäbchen und lauwarmem Wasser entfernen. Auch
hier hat sich Neo-Ballistol-Öl
bewährt. In leichten Fällen einfach die Ohren mit dem Öl einmassieren.
Surolan ist verschreibungspflichtig
und nur über den Tierarzt erhältlich. Außerdem enthält es Cortison und sollte
nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden.
Pflege der Augen:
Entzündete, tränende und
eitrige Augen werden mit einer Augensalbe (erhältlich bei einem Tierarzt)
behandelt. Die Salbe vorsichtig in den Bindehautsack eintragen und mit feuchtem
Wattestäbchen um das Auge verteilen. Nicht innerhalb des Auges reiben, es können
sonst Verletzungen der Bindehaut entstehen. Bei größeren Augenschäden oder
Verletzungen muss der Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Entfernen des Zahnsteines:
Da Igel sehr stark zu
Zahnsteinbefall neigen, muss, vor allem bei älteren Tieren, der Zahnstein
entfernt werden, da sonst Zahnfleischentzündungen und Kiefervereiterungen
entstehen und die Tiere keine Nahrung mehr aufnehmen können. Legen Sie den Igel
bequem auf den Rücken, am besten auf ihren Schoß auf ein Handtuch. Versuchen Sie
mit einem Wattestäbchen oder mit einer Klemme seitlich das Mäulchen zu öffnen,
sodass die oberen Backenzähne sichtbar werden. Die oberen Backenzähne sind
meistens mehr vom Zahnstein befallen. Mit einer stumpfen Pinzette können Sie den
Belag von oben nach unten zusammenzwicken und er fällt ab. Bei evtl. Bluten des
Zahnfleisches reibt man dieses mit einem Wattestäbchen mit
Kamistad-Gel oder verdünntem
Neo-Ballistolöl ein.
Achtung!
Das Entfernen des Zahnsteines ist keine leichte Angelegenheit und nur ganz
versierten Igelpflegern gelingt dies. Um das Tier aber vor weiteren Schäden zu
bewahren, muss der Zahnstein von einem Tierarzt entfernt werden, ggf. unter
Narkose. Dabei kann dann vom Tierarzt ein bereits vorhandener Entzündungsherd
oder eine Vereiterung festgestellt werden. Auch bei Entzündungen des Mundraumes
kann verdünntes Neo-Ballistol-Öl verwendet werden, da es innerlich und äußerlich
anwendbar ist.
Nagelpflege:
Von Zeit zu Zeit müssen dem
Igel die Nägel geschnitten werden, da sie sich sonst nach innen biegen und der
Igel Schwierigkeiten beim Laufen bekommt. Die Nägel können abbrechen und es
entstehen Verletzungen, die sich entzünden und eitern. Mit einer Nagelzange
werden die durchsichtigen Nagelspitzen abgezwickt.
Vorsicht!
Nicht in den Bereich der durchbluteten Nägel kommen. Bei den hinteren Füßchen
sollte der zweite Nagel immer etwas länger bleiben. Dies ist von der Natur so
vorgesehen. Legen Sie den Igel auf den Tisch auf ein Handtuch und versuchen Sie
mit der einen Hand den linken Vorderfuß unter dem Körper herzuholen, drehen den
Fuß etwas seitlich und halten die Pfote fest. Nun können Sie ihm mit der anderen
Hand die Nägel schneiden. Drehen Sie den Igel in die andere Richtung und machen
Sie das gleiche mit der rechten Pfote. Fahren Sie nun vorsichtig mit einer Hand
unter sein Bäuchlein und versuchen Sie, den hinteren rechten Fuß nach hinten
herauszuziehen und wiederum seine Pfote anfassen. Drücken Sie den Igel mit ihrem
Unterarm etwas auf den Tisch, damit er nicht weglaufen kann. So können Sie ihm
die hinteren Nägel schneiden. Das Nägel schneiden ist ebenfalls keine leichte
Sache und sollte in absoluter Ruhe und mit viel Geduld erfolgen.
Stachelausfall:
Stachelausfall beim Igel
kann auf verschiedene Ursachen wie Nahrungsmangel, Vitaminmangel, falsche
Ernährung, Umwelt und Hautkrankheiten wie Pilzbefall, Hefeinfektionen oder durch
Stress durch Gefangenschaft zurückzuführen sein. Igel mit Stachelausfall sollten
grundsätzlich mit Handschuhen behandelt werden. Ein Pilzbefall, übertragen auf
die Hände, kann schwerwiegende Folgen haben und dem Igelbetreuer bei seiner
Arbeit sehr hinderlich sein. Wenn Verdacht auf Pilzbefall besteht, sollte
unbedingt der Tierarzt aufgesucht werden. Es muss auf jeden Fall eine Kultur,
zur Feststellung der Art des Pilzes, angesetzt werden. Wenn sich beim Igel
verkrustete Stacheln zeigen, die man mühelos mit der Pinzette aus der Haut
ziehen kann und es tritt Eiter aus, muss der Igel mit
Antibiotika je nach Befall 3,5 oder 7 Tage behandelt werden. Sehr
bewährt hat sich Baytril 2,5% von
Bayer, bei einer Dosierung von 0,05ml/100g Igel. Gleichzeitig sollte man den
Igel öfters in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser und einem Schuss
Neo-Ballistol-Öl, auf den Rücken
gelegt, baden. Außerdem ist zusätzlich eine Behandlung mit aufbauenden Mitteln
wie Amynin,
Catosal und Vitamin B zu
empfehlen.
Achtung!
Bei Igel, die an einem starken Stachelausfall leiden, sollte man jeden Tag sein
Mäulchen kontrollieren, ob sich nicht ein ausgefallener Stachel am Gaumen
befindet, der bei der Nahrungsaufnahme aufgenommen wurde und sich im Gaumen
verklemmt hat. Dieser muss unbedingt mit einer Pinzette entfernt werden.
Igel auf den Rücken legen, am besten in Ihren Schoß auf ein Handtuch, mit der
linken Hand mit einer Klemme das Mäulchen öffnen und mit der rechten Hand mit
einer Pinzette den Stachel entfernen.
Verletzungen:
Riss- und Schnittwunden
oder Verletzungen durch Beißereien sind beim Igel nicht selten. Bedingt durch
seine Lebensweise verschmutzen diese Wunden sehr schnell und es bilden sich
Infektionsherde. Eitrige Wunden unbedingt mit
Rivanol mit einem Wattestäbchen einmal täglich reinigen. Krusten,
die sich auf Wunden bilden, müssen täglich entfernt werden, bis die Wunde von
innen ausheilt. Bei größeren Wunden ist ein Bad in Kernseife zu empfehlen. Den
Igel in eine Schüssel mit lauwarmem Kernseifenwasser setzen und die Wunde gut
ausspülen. Sollte die Wunde sehr tief sein, muss der Tierarzt aufgesucht werden,
um die Wundversorgung in Narkose durchzuführen und evtl. zu nähen. Zur
Wundbehandlung ist Vet-Sept- oder
Bepanthen
Wund- und Heilsalbe zu empfehlen. Auch hier kann
Neo-Ballistol-Öl verwendet werden, wie
bei allen oberflächlichen Verletzungen, Kratzern und Hautschürfungen.

Baden oder Duschen des Igels:
Wie Sie auf dem Foto sehen
können, sind unsere Igel gar nicht so wasserscheu, wie allgemein behauptet wird.
In der Regel genießt ein stabiler Igel ein Bad oder eine Dusche, befreit es ihn
doch von Schmutz und Ungeziefer. Zum Baden lassen Sie handwarmes Wasser in ein
Waschbecken oder eine Schüssel einlaufen. Legen Sie nun den Igel in Rückenlage
ins Wasser und spülen ihn mit der Hand etwas ab. Nun drehen Sie den Igel langsam
um, wenn seine Nase mit dem Wasser in Berührung kommt, wird er sich öffnen und
den Kopf hochheben. Halten Sie ihn nun mit der einen Hand unter seinem
Schnäuzchen fest, damit der Kopf über Wasser bleibt. Mit der anderen Hand oder
einem Gefäß können Sie nun den Igel abspülen oder mit einer weichen Zahnbürste
vorsichtig sein Stachelkleid bürsten. Diese Methode wende ich an, wenn der Igel
klein ist oder nicht ganz stabil oder sehr scheu, da die laufende Dusche für
diese Tiere Stress bedeutet. Bei stabilen Igeln halte ich das Duschen für
vorteilhafter, da sofort der ganze Schmutz und das Ungeziefer weggespült werden.
Mit etwas Neutralseife, die ich mir in die Hand reibe, streiche ich dem Igel
einige Male über die Stacheln und spüle ihn dann ab. Es kann aber auch ein
mildes Shampoo verwendet werden.
Wichtig!
Es muss nach jeder
Nassbehandlung der Igel unbedingt entweder unter eine Wärmelampe oder Rotlicht
(bei stark wärmenden Lampen nur kurze Zeit) mit einem Handtuch zugedeckt oder an
einem warmen Platz in ein trockenes Handtuch gewickelt werden, das man nach
kurzer Zeit erneuert, damit er sich nicht erkältet. Von einer Föntrocknung ist
abzuraten, da Igel sehr scheu und lärmempfindlich sind.

Zeckenbefall:
Zecken werden beim Igel
einfach mit einer Pinzette aus der Haut gezogen. Verwenden Sie kein Öl,
Nagellack oder sonstiges, denn es besteht die Gefahr, dass die Zecken erst recht
ihren Speichel in den Igel übertragen. Ist der Igel in den Haarpartien stark mit
kleinen Zecken befallen, können diese nicht mit der Pinzette erfasst werden, da
dies für den Igel eine große Stresssituation bedeutet. Bei Zeckenbefall hat sich
eine Injektion mit Dectomax 0,03
ml/100g Igel sehr gut bewährt. Die Zecken saugen nicht mehr und fallen nach
kurzer Zeit von selbst ab oder lassen sich abrubbeln. Auch mit Flohspray
(erhältlich beim Tierarzt) kann man den Zecken zu Leibe rücken, indem man die
befallenen Stellen vorsichtig einsprüht. Nach jeder Flohspraybehandlung muss der
Igel abgeduscht werden. Bei kleinen und geschwächten Igeln nur eine
Dectomax-Lösung 1:30 (1 Teil
Dectomax mit 30 Teilen
NaCi-Lsg. Mischen) und aufsprühen.
Achtung:

Milbenbefall:
Milben kann man nur unter
dem Mikroskop richtig erkennen. Ein Milbennest erkennt man auf der Haut oder in
den Ohren, wenn der Belag wie feiner Sand von hellbräunlicher Farbe ist. Bei
gutem Augenlicht ist auch eine Bewegung ersichtlich. Auch hier hat sich eine
Injektion mit Dectomax 0,03 ml/100g
Igel bestens bewährt. Milben in den Ohren mit
Dectomax-Lsg. mit einem Wattestäbchen einreiben. Einige Zeit nach
dieser Behandlung ist es ratsam, den Igel zu baden oder abzuspülen, um die toten
Milben zu entfernen. Starker Milbenbefall auf der Haut, im Gesichtsbereich oder
in den Ohren kann zu Entzündungen führen. Mit
Surolan täglich beträufeln, bis sich
die Haut wieder erholt hat. Auch hier kann
ein Neo-Ballistol-Öl-Bad helfen. Wenn die Haut stark beschädigt ist, muss
eine Wundbehandlung durchgeführt werden. (Salben wie unter Verletzungen
beschrieben)
Flohbefall:
Starker Flohbefall ist im
Stachelkleid des Igels sichtbar, wenn die Stacheln rötlich d.h. blutig sind. Man
sprühe aber nur das Stachelkleid des Igels mit Flohspry (z.B. Bolfo-Flohspray)
ein und decke den Kopf ab. Nach ca. 15 min Wartezeit kann man feststellen, dass
die Flöhe tot abfallen. Anschließend sollte der Igel unbedingt abgeduscht
werden. Nicht anzuwenden ist diese Methode bei Igelbabys und sehr geschwächten
Tieren. Man kann die Flöhe mit einer Zahnbürste abbürsten, wenn man den Igel
über ein mit Wasser gefülltes Waschbecken hält. Um auch diese Tiere flohfrei zu
bekommen, kann man sie danach mit einem feuchten Schwamm abreiben. Wenn der Igel
etwas nass ist, lassen sich die Flöhe mittels einer Pinzette besser abtragen.
Fliegeneier- und Madenbefall:
Vor allem in den
Sommermonaten werden Jungtiere, kranke und verletzte Igel, die sich tagsüber im
Freien aufhalten, von Schmeißfliegen heimgesucht, die sofort tausende von Eiern
auf dem Tier hinterlassen. Werden diese nicht sofort entfernt, schlüpfen nach
kurzer Zeit die Maden und setzten sich beim Igel in alle warmen und feuchten
Körperöffnungen und Wunden. Ein madenbefallener Igel braucht schnellstens Hilfe.
Wenn sich die Maden bereits im Körperinneren befinden, ist das Tier in den
seltensten Fällen zu retten. Fliegeneier sind kleine, weiße gebündelte Stäbchen,
die sich überall am Körper des Igels, manchmal sehr versteckt im Haarkleid,
befinden. Kurz vor dem Schlüpfen nehmen sie eine gelbliche Farbe an und sie
müssen schnellstens entfernt werden. Einem starken Fliegeneierbefall können Sie
sehr schnell Herr werden, wenn Sie die befallenen Stellen des Haarkleides
abschneiden. Wenn das Haarkleid trocken ist, können die Eier auch mit einer
Zahnbürste ausgebürstet werden.
Vorsicht!
Beim Abschneiden der Haare nicht die Zitzen abschneiden.
Wenn bereits Maden
vorhanden sind, muss der Igel – nur stabile Tiere – sofort mit lauwarmem Wasser
geduscht werden, um die Maden aus seiner Haut oder Wunden zu spülen. Es muss
immer wieder das Wasser erneuert werden. Spülen Sie die Maden aus Wunden mit
einer Einwegspritze mit Dectomax-Lsg
(1:30) und entfernen die restlichen Maden mit einer Pinzette. Der Igel muss
längere Zeit überprüft werden, ob auch alle Maden entfernt wurden. Maden, die
sich in den Ohren befinden, mit einer Pinzette vorsichtig herausziehen, mit
einem nassen Wattestäbchen die Ohrmuschel ausräumen und evtl. die Ohren
vorsichtig mit einer Einwegspritze mit
Dectomax-Lsg. ausspülen. Viel Wasser verwenden bei Madenbefall, es ist die
einzige Möglichkeit, den Igel zu retten. Maden in den Augen ebenfalls mit nassem
Wattestäbchen vorsichtig entfernen, Augen leicht mit lauwarmem Wasser spülen.
Vorsicht!
Auge nicht verletzen!
Auch Vulva und Anus gut mit
Wasser ausspülen, wenn dort bereits Maden vorhanden sind. Gleichzeitig ist eine
Behandlung mit Dectomax 0,03 ml/100g
Igel durchzuführen, aber nur bei stabilen Igeln. Da ein Madenbefall immer wunde
Stellen und Hautinfektionen hinterlässt, muss eine anschließende Wundversorgung
durchgeführt werden.
Viel Freude
und Erfolg bei der Betreuung und Pflege Ihrer Schützlinge
Ihre H.
Pentenrieder