Sofortmaßnahmen

Bei Auffinden eines hilfsbedürftigen Igels

 

  

 

Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet sie zu fangen, in Besitz zu nehmen, zu verletzen oder gar zu töten. Es ist jedoch zulässig, verletzte oder kranke Igel aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen.

 

Hilfsbedürftig sind:

Verwaiste Igelsäuglinge             (tagsüber außerhalb des Nestes, unterkühlt)

Verletzte oder kranke Igel          (tagsüber herumlaufend oder –liegend, apathisch, mager, eingefallene Augen)

Igel, die vor Wintereinbruch unter 500g wiegen oder die bei Frost und Schnee tagsüber herumlaufen.

Unterkühlte Igel und verwaiste Igelbabys brauchen viel Wärme.
Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich die Bauchseite des Igels deutlich kälter anfühlt als die eigene Handfläche. Igel sofort auf eine mit warmem Wasser gefüllte Wärmflasche zwischen ein Handtuch legen.

Nur ein warmer Igel kann Nahrung aufnehmen!

ACHTUNG, SEHR WICHTIG!
Wenn der Igel aufgewärmt ist, unbedingt Flüssigkeit in Form von lauwarmen Kamillen-/Fencheltee oder leicht temperiertem Wasser mit einer Einwegspritze einflößen.

Fliegeneier und/oder Maden, Flöhe und Zecken sofort entfernen. Fliegeneier und Maden, die sich vor allem in der warmen Jahreszeit bevorzugt in Wunden, aber auch in sämtlichen Körperöffnungen finden, sofort mit einer Pinzette abtragen. Maden in Wunden und Körperöffnungen immer wieder mit Warmwasserspülungen mit einer Einwegspritze ausspülen.
Bei schwerem Befall sofort die Igelhilfe Schwaben anrufen.
Flöhe lassen sich mit einem Flohspray bekämpfen. Nur Stachelkleid besprühen, einige Zeit abwarten und anschließend Igel vorsichtig mit lauwarmer Brause abduschen, da alle Sprays schädlich für die Haut sind. Zecken lassen sich ganz einfach, ohne Öl oder andere Mittel, beim Igel aus der Haut ziehen.
Vorsicht! An der Bauchseite Zecken nicht mit den Zitzen des Tieres verwechseln!

 

 

Unterbringung:

Ein großer Karton oder Kiste, mind. 1m², besser 2m² als Auslauf und 50cm hoch. Den Boden bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier, das täglich zu wechseln ist. Als Schlafhaus stellt man einen kleinen Karton mit Schlupfloch von 10x10cm in die Ecke seiner Unterkunft und füllt diesen reichlich mit Küchenrollen- oder zerknülltem Zeitungspapier. Kranke und untergewichtige Igel müssen bei einer Temperatur von 18-20° C untergebracht werden. Erst wenn der Igel entwurmt ist und ein Gewicht von 600-650g aufweist, darf er an einen kalten Platz zum Winterschlafen. Die Temperatur zum Winterschlafen sollte +6° C nicht übersteigen. (siehe auch Der Winterschlaf im Hause)

 

 

 

 

Bei längerer häuslicher Obhut müssen dem Igel von Zeit zu Zeit die Spitzen der Nägel geschnitten werden, da sich diese nicht, wie in der Natur, abnützen.

Der Igel ist ein Insektenfresser, daher benötigt er als Nahrung Fleisch, Eiweiß und Ballaststoffe. Man sollte ihn abwechslungsreich ernähren.

  

Als Nahrung eignet sich:

Katzen- oder Hundedosenfutter, vermischt mit Haferflocken. Unter diese Mischung kann man abwechselnd beifügen:
Rührei aus der Pfanne mit etwas Sonnenblumenöl zubereitet (nur zweimal die Woche), Hähnchenfleisch, Rindfleisch, Rinderhack, Rinderherz, Putenfleisch (alles gekocht, ungewürzt und ungesalzen).
Als Leckerei kann man dem Igel ungesalzenen Erdnussbruch und ungeschwefelte Rosinen reichen.
Futterreste auf der Nase des Igels müssen mit einem feuchten Wattestäbchen entfernt werden, damit sich darunter kein Infektionsherd bildet.
Igel in häuslicher Obhut niemals mit Schnecken und Regenwürmer füttern, da diese Überträger von Innenparasiten sind!
Kranke Igel und Igelbabys müssen auch tagsüber gefüttert werden. Igel ab 350g sollten tagsüber schlafen und werden nur abends gefüttert. Der nachtaktive Igel hat bis zum Morgen Zeit, sein Futter zu verzehren.
Zu trinken erhält der Igel nur Wasser, keine Milch, Milch bewirkt Durchfall, in der Folge Darmentzündung und Infektionen, die für den Igel tödlich enden können.
Kranke und geschwächte Igel mit einer Einwegspritze Fenchel- oder Kamillentee einflösen. Sofort gereichte Flüssigkeit kann dem Igel evtl. das Leben retten.

 

ACHTUNG!
Jeder hilfsbedürftige Igel ist von Innenparasiten befallen und sollte schnellstens entwurmt werden.
Bei
einem sehr geschwächten Igel kann aber eine sofortige Entwurmung zum Tode führen.

Medizinische Behandlung beim Tierarzt
0,05ml per 100 g Körpergewicht Baytril 2,5% (subc.)
3-5 Tage, da Igel durch ihren Parasitenbefall fast immer mit bakteriellen Infektionen behaftet sind
0,1ml per 100 g Körpergewicht Levamisol oder Belamisol 10% (subc.) nur als verdünnte Lösung (1:4)
2 x im Abstand von 48 Stunden

ACHTUNG!
Um eine genaue Dosierung beim Igel zu gewährleisten, muss die 10%ige Lösung auf 2,5% verdünnt werden.
(1ml Levamisol bzw. Belamisol 10% + 3ml Sterofundin ergeben eine 2,5%ige Lösung)

Igel unter 300 g nur die halbe Dosis verabreichen!

Aufgrund der unvollständigen Entwurmung ist im Abstand von 2 Wochen eine zweite Entwurmung mit voller Dosis notwendig!

Igelsäuglinge nicht entwurmen, da sie noch keine Innenparasiten besitzen!

Geschwächte Igel zuerst Aufbaumittel, wie Amynin, Catosal, Vit.B-Komp., Sterofundin reichen. Bei starker Verwurmung (Röcheln, Husten, grüner, schleimiger Kot, stark eingefallener Nacken) nur mit halber Dosis entwurmen. Deshalb ist eine genaue Gewichtskontrolle vor dem Entwurmen wichtig.

Ivomec und Dectomax sind nicht wirksam und können bei schwachen Igeln zum Exitus führen!

 

Schwerkranke Igel und mutterlose Igeljunge:

Haben Sie einen sehr kranken Igel (apathisch, mager, kein Einrollen, Seitenlage) oder einen Igelsäugling gefunden, so rufen Sie schnellstens die Igelhilfe an. Auch solchen Tieren kann geholfen werden. Es würde aber zu weit führen, hier die Behandlungsmöglichkeiten bzw. die viel Sachkenntnis erfordernde Aufzucht zu schildern.

  

Versuchen Sie niemals einen Igel ohne Sachkenntnis und die nötige, medizinische Betreuung ins Haus zu nehmen und zu überwintern!

Der Igel wird in den seltensten Fällen am Leben bleiben!

 

 

 

Ratschläge und Hilfe erteilt Ihnen gerne H. Pentenrieder

Tel. 0821-467569

Behandlungszeiten nach telefonischer Vereinbarung.

In Notfällen können Sie eine Nachricht auf Band sprechen und Ihren Namen und Telefonnummer hinterlassen.